Das Dilemma demokratischer Entscheidungen.

Das Dilemma demokratischer Entscheidungen

Das Dilemma demokratischer Entscheidungen.

Groß war das Jubeln in der CDU. Endlich nach vielen Jahren mal wieder eine echte Wahl zwischen 3 Bewerbern um den Parteivorsitz. Demokratie pur! Die Delegierten konnten und mussten entscheiden, nicht nur zustimmen oder ablehnen, nein sie durften endlich entscheiden. Allen war ziemlich schnell klar, dass es eine enge Wahl werden würde, was es dann auch war.

Und was ist nun? Nicht, dass alle klar im Kopfe wären und dass die getroffene Entscheidung als logische Konsequenz dieser bejubelten „Demokratie pur“ betrachtet würde. Nein, es wird von einer Spaltung der Partei gesprochen und angeblich träten schon einzelne Mitglieder aus. Was ist das bloß für ein trauriges Verständnis der sogenannten „Verlierer“. Und dass die Minderheit dann auch noch als Verlierer bezeichnet wird, welch Blödsinn. Besteht die Schlussfolgerung aus diesem Dilemma darin, gleich keine demokratische Wahl mehr zuzulassen, um keine „Verlierer“ zu erzeugen? Besteht sie darin, in Hinterzimmern den einen Kandidaten auszukungeln und dem Parteivolk zu servieren, so wie es bereits lange Tradition geworden ist? Ade du liebe innerparteiliche Demokratie? Ist es nicht die Verantwortung der Minderheit, die Entscheidung der Mehrheit mitzutragen, ohne sich als Verlierer zu generieren – was auch von kommentierenden Beobachtern der Öffentlichkeit sorgsam verhindert wird?

Wie also umgehen mit dem Dilemma des Entscheidens, wenn zwischen zwei oder mehreren Alternativen zu entscheiden ist? Wenn es sich um ein „Entweder-oder“ und nicht um ein „Sowohl-als-auch“ handelt? Die Grünen sind diesem Dilemma klug von der Schippe gesprungen und haben institutionell ein Sowohl-als-auch mit der Doppelspitze von Frau und Mann und früher zusätzlich von Realos und Linken etabliert. Falls das nicht geht oder gewollt ist, was dann?

Als jemand, der sich nicht nur beruflich dem „Entscheiden“ verschrieben hat, plädiere ich für eine, zugegebenermaßen intellektuelle, Kraftanstrengung: „Die Kraft des Nichtgewählten in das Gewählte fließen lassen“ – so lautet der Lehrsatz. Sie besteht nicht nur darin, einen Kandidaten der Minderheit zum Generalsekretär zu wählen – und das mit ziemlich kraftlosen Zustimmungswerten, und Herrn Merz aufzufordern, ja nicht die politische Bühne zu verlassen. Es ist eine inhaltliche Anstrengung, die zu leisten ist und die Kooperationsbereitschaft und intellektuellen Mut beider Seiten erfordert. Schon allein die Frage, was denn genau „die Kraft des Nichtgewählten“ sein könnte, die einen Unterschied zum Gewählten macht, ist alles andere als trivial.

Die inhaltlichen Ergebnisse eines solchen Prozesses – falls er denn überhaupt stattfinden wird – werde ich mit Interesse verfolgen.

Bernd Opp
<img src="https://www.das-entscheiden.com/wp-content/uploads/2017/08/Pentaeder-Stuttgart-0356.jpg" /> <br><br> <b>Zur Person:</b> <br> Diplom-Soziologe und Lehrsupervisor (DGSv)<br> Langjähriger Prozessberater und Beratungslehrer<br> Co-Entwickler der DECISIO® Prozesslandkarte.<br> Mit Othmar Sutrich Entwickler des PENTAEDER®Modells<br> Mitgründer des PENTAEDER®INSTITUTS<br> <br> <b> Schwerpunkte:</b><br> Organisationsberatung zum Thema „Entscheiden in Organisationen“ anhand des PENTAEDER®Modells<br> Supervision und Coaching von Beratern und deren Projekten<br> Qualitätssicherung des PENTAEDER®INSTITUTS<br> <br> <b>Direkt-Kontakt:</b><br> <a href="mailto:bernd.opp@t-online.de">bernd.opp@t-online.de</a> <br><br>

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