Aktuelle Studie: Agile Entscheidungsprozesse in Unternehmen

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Aktuelle Studie: Agile Entscheidungsprozesse in Unternehmen

Ein Beitrag von Katrin Mackenstedt

Im April 2018 erschien die „Potenzialanalyse Agil Entscheiden“ von Sopra Steria Consulting in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut. Ziel der Befragung von mehr als 300 Geschäftsführern, Vorständen und Führungskräften war es herauszufinden, wie es um agile Entscheidungsprozesse und neue Methoden und den Einsatz moderner Technologien zur Entscheidungsunterstützung bestellt ist. Für uns als Experten zum Thema Entscheiden Grund genug, die Studie genauer anzuschauen. Denn mit Blick auf die sich rasant wandelnden Umfelder unserer Kunden beschäftigen wir uns seit geraumer Zeit intensiv damit, wie das Entscheiden in Organisationen – auch über Scrum, Kanban etc. hinaus – schneller, flexibler, agiler werden kann.

Kurz zum Design der Studie: Onlinebefragung (Dauer ca. 15 Minuten), Stichprobe = 302 Teilnehmer (davon 85% Management/Geschäftsführung; 60 % aus Unternehmen mit weniger als 1000 Mitarbeitern), Branchen u.a. Finanzdienstleistungen, Energie, Telekommunikation, verarbeitendes Gewerbe, Öffentliche Verwaltung.

Der Fokus der Studie liegt auf den 4 Bereichen Entscheidung, Kultur, Technologie und Agilität.

Ergebnisse der Studie

Es gibt Ergebnisse in der Studie, die keine große Überraschung sind:

  • Knapp 1/3 der Unternehmen/Befragten arbeitet daran, Hierarchien abzubauen.
  • Agile Methoden und bereichsübergreifende Teams kommen am häufigsten in IT-Bereichen zum Einsatz.
  • Schneller und individueller auf Kundenbedürfnisse reagieren zu können, ist der häufigste Grund für die Anpassung von Strukturen und Methoden (63%). Prozessoptimierung, Konkurrenzfähigkeit und Innovationskraft sind weitere Gründe.
  • Entscheidungen müssen heute häufiger, schneller und mit weniger Detailkenntnis getroffen werden als noch vor 5 Jahren und werden auch vermehrt delegiert.
  • Erfahrung und Intuition dominieren nach wie vor das Entscheidungsverhalten. Interne Daten und Gespräche mit Mitarbeitern landen nur auf Platz 2 und 3.
  • Gesetzliche Anforderungen sowie Kapazitäten und Ressourcen bremsen „agiles Entscheiden“ stark, ebenso spielt fehlender Mut eine große Rolle.

 

Die aus meiner Sicht interessanten Aspekte waren, dass…

… knapp 50% der Befragten angaben, dass Entscheidungen stark datengetrieben laufen (insbesondere auf der Ebene des Top Managements), aber weniger als 10% Künstliche Intelligenz in den Entscheidungsprozessen nutzen. Ich denke, es kann davon ausgegangen werden, dass sich diese Zahlen in der Zukunft verändern.

… agiles Entscheiden zu höherem Engagement und erhöhter Selbstorganisation der Mitarbeiter führt (jeweils rund 50%) sowie zu einer Stärkung der Teamdynamik. Dies wird positiv wahrgenommen.

Einige Fragen bleiben.

Ich habe mir beim Lesen aber auch einige Fragen gestellt. Gerne würde ich bei Gelegenheit mit den Autoren ins Gespräch kommen darüber,

  • wie stark sich Wunsch und Wirklichkeit bei den Befragten beeinflusst haben. Zumal erfahrungsgemäß im Management die Attention und das Wissen für das Thema Agilität sowie der Fokus auf Entscheidungen tendenziell größer ist und damit häufig auch der diesbezüglich wahrgenommene Status im Unternehmen.
  • wie tatsächlich der Referenzrahmen für Agilität von den Befragten verstanden wurde. Denn 7 von 10 Unternehmen schätzen sich hier als durchschnittlich agil ein, wobei in Deutschland doch die Mehrheit der Unternehmen noch überwiegend traditionell strukturiert und eher noch im Anfangsstadium mit agilen Arbeitsweisen ist bzw. mit hybriden Strukturen arbeitet. Ist eine größere Zahl der Interviewpartner evtl. in Bereichen wie IT und Transformation Projekten tätig?
  • Sehr spannend: Wenn rund 20% der Finanzdienstleister angeben, einen agilen Führungsstil anzuwenden, wie stellt sich das dar? Wie und seit wann wird dieser gelebt und wie von den Mitarbeitern wahrgenommen?
  • Wurde im Fragebogen dediziert beschrieben, was unter agilem Entscheiden zu verstehen ist (Modelle, Tools u.a.)?
  • Wenn 90% der Befragten ihre Mitarbeiter ermutigen, schnell und selbständig zu entscheiden, wie sieht das in der Praxis aus? Und gehen die Entscheidungsstrukturen, die Kultur, die Berechtigungen im Unternehmen damit Hand in Hand?
  • Wenn heute Erfahrung und Intuition das Entscheidungsverhalten zu 90% dominieren (insbesondere im Management), wie kann eine gute Überleitung/Übergabe der Entscheidungsaufgaben an ein Team erfolgen?

 

Für alle, die gern tiefer einsteigen wollen: Hier gibt es die Studie zum Download:

https://www.soprasteria.de/newsroom/publikationen/studie/potenzialanalyse-agil-entscheiden

 

Über die Autorin:

Katrin Mackenstedt
© Katrin Mackenstedt, a.m.p. GmbH

Katrin Mackenstedt ist Geschäftsführerin der a.m.p. GmbH und unterstützt als Management-Beraterin und Coach seit über 20 Jahren Führungskräfte und Teams insbesondere bei komplexen Entscheidungsprozessen, in Veränderungsprojekten und in puncto zukunftsfähige Zusammenarbeit und Leadership. Ihr Credo: Unsicherheit und Widersprüche positiv annehmen, mit Hindernissen wachstumsorientiert umgehen, im Team kreative und nachhaltige Lösungen und Entscheidungen ermöglichen.

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