TRANSFER: Unsere Sprache und was sie mit mir macht.

Sprachspiele

TRANSFER: Unsere Sprache und was sie mit mir macht.

Ein Haiku zum Einstieg:

Lang darum bemüht
manchmal gut gelungen sorgt
für Zufriedenheit.

Neues gelernt – aber klappt’s mit dem Transfer?

Dozentin in einem berufsbegleitenden MBA für soziale Arbeit zu sein, Seminarleiterin in einem Weiterbildungsprogramm zu sein: Beides ist anspruchsvoll, macht viel Freude und lässt mich immer im Zweifel, ob das, was wir vermitteln und transportieren möchten, auch wirklich ankommt. Ob es gelernt und für das weitere berufliche Leben genutzt wird. Gerade bei Blockveranstaltungen, in denen in kurzer Zeit möglichst viel Wissen und Kompetenzen vermitteln werden will, fällt es mir schwer, das einzuschätzen. Was wurde wie stark verinnerlicht? Welche anderen Sichtweisen können auf Dauer Einzug halten? Welche der theoretischen Grundlagen wurden verstanden, nachvollzogen und in die eigene Praxis umgesetzt?

Der 1. Prüfstein sowohl für Lehrende als auch Studierende ist die Prüfung. Wieviel ist gelernt, verstanden und verinnerlicht worden? In der Regel sagt das noch nichts über einen nachhaltigen Transfer aus – weder in Richtung der Studierenden noch der Organisationen, aus denen diese kommen und die häufig die Studierenden bei diesem Weiterbildungsvorhaben unterstützen. Jedoch kann es klare Indizien dafür geben, wie es sein könnte. Wie wirkt sich der Lehrstoff aus auf das, was die Studierenden gerade beschäftigt? Wie fließt er in ihre Projekt- und/oder Führungsarbeit ein? Welchen Beitrag leistet er bei anstehen Veränderungen bzw. welche Veränderungen stößt er auch an?

So bekommt das neue Wissen eine gute Chance auf Transfer.

Insbesondere Gruppensettings in Prüfungen, die einerseits aus einer kurzen Präsentation und andererseits aus dem gemeinsamen Dialog zwischen Studierenden und Dozenten bestehen, sind vielversprechende Indikatoren. Denn hier zeigt sich, wie die Lerninhalte eingebaut, wie die Fachausdrücke präzise genutzt, wie die unterschiedlichen Methoden und theoretischen Modelle angewandt werden. Und zwar genau an den Fragestellungen der Studierenden in deren unterschiedlichen beruflichen Kontexten.

Wie erfreulich und ergiebig kann es dann sein, gemeinsam zusätzliche Möglichkeiten zu explorieren, den Bogen weiter zu spannen und zu neuen, gemeinsam erarbeiteten Erkenntnissen zu kommen. Was sich verändert, wenn nicht Fragebögen mit multiple choice zum Einsatz kommen, sondern der Dialog, zeigt sich daran, dass die Chance auf Transfer des Gelernten in die eigene Lebenswirklichkeit deutlich erhöht wird, und zwar sowohl in Richtung der Studierenden als auch der Dozenten. Welche Einblicke ich allein während der Prüfungen in die Organisationen der Studierenden bekommen habe, ist gewaltig, und sie befruchten mein (berufliches) Leben.

Mein Fazit

Meine Lehrveranstaltung verstehe ich als Angebot, sowohl in Richtung der Studierenden als auch über die Studierenden in Richtung der daran beteiligten Organisationen. Wissen über Input und Erleben zu vermitteln und damit in die Erfahrung der Studierenden zu bringen, darin sehe ich meine Rolle. Mit Rat und Tat unterstützen, ja, doch den nachhaltigen Transfer und damit die Veränderung können nur die Studierenden mit den Organisationen leisten.

Ausschlaggebend dafür ist aus meiner Sicht Augenhöhe zwischen Studierenden und Lehrenden. Das beste und kompetenteste Wissen nutzt nichts, wenn es sich nicht im konkreten Entscheiden und Verantworten in der Praxis widerspiegelt. Dann ist es zwar interessant, jedoch nicht relevant.

Cornelia Strobel
<img src="http://www.das-entscheiden.com/wp-content/uploads/2017/03/Conny-Strobel.jpg" /> <br><br> <b>Zur Person:</b> <br> Dr. Cornelia Strobel begann ihre berufliche Laufbahn als Wissenschaftlerin, Sachbearbeiterin, Programmleiterin und Führungskraft bei der MTU Aero Engines GmbH. Nach Gründung eines Ingenieurdienstleistungsunternehmens wurde sie Mitglied in der Unternehmensleitung mit den Schwerpunkten Marketing/Vertrieb und übernahm die Leitung einer Business Unit. Ab 2005 war sie als Beraterin und Leiterin der Region Süd für die Mühlenhoff Managementberatung tätig. <br><br> Seit 2011 ist Dr. Cornelia Strobel Gesellschafterin und Geschäftsführerin der NEXT IMPACT GmbH und leitet die Zentrale in München Bogenhausen. <br><br> <b>Auf einen Blick:</b><br> Studium der Chemie und Promotion<br> Systemischer und hypnosystemischer Coach, Team- und Organisationsberaterin<br> Philosophisches Jahr<br> Kontinuierliche Weiterbildung und Supervision in systemischen und hypnosystemischen Coachingmethoden und -verfahren<br> Zertifizierte KAIROS®Beraterin für Entscheidungs- und Problemlösungsverhalten<br> Zertifizierte DECISIO-Beraterin und Ausbilderin für die Gestaltung bewusster Entscheidungsprozesse<br> Systemische Organisationsberatung nach dem PENTAEDER-Modell<br> Ausbilderin im PENTAEDER-Institut<br> Vorstandsvorsitzende des PENTAEDER-Instituts<br> 25 Jahre Tätigkeit in leitender Funktion in Industrie und Managementberatung<br> <br><br>

Schreiben Sie einen Kommentar

Simple Share Buttons